Autor: Frédéric

Long Covid Interview

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Ich habe vor 15 Monaten ungefähr einige Interviews mit Longcovid-Betroffenen geführt. Ich habe verschiedentlich versucht, die Texte unterzubringen, hatte damals aber selber nur noch sehr begrenzt Ressourcen und habe deswegen die ganze Geschichte nicht bis zum Ende verfolgen können. Eines der Interviews, das für ein bestimmtes Format vorgesehen war, habe ich damals aber tatsächlich fertiggestellt; es war aber so, dass zu dem Format ein Porträtfoto gehörte, und Alina (Name geändert) nicht die Kraft hatte für […]

Vom Verschwinden III

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Manchmal habe ich den Eindruck zu übertreiben. Ich hole Zigaretten und sehe die Leute auf den Restaurant-Terrassen, sie essen und trinken und lachen und reden. Kinder springen um die Tische, jemand klatscht vor Freude in die Hände. Das Leben wäre leichter, denke ich, wenn ich nicht an ihm hinge. Ich würde gern dazugehören. Es sind noch Plätze frei hier und da, ich könnte fragen, ob ich mich dazusetzen darf. So wie früher, da ging das […]

Vom Verschwinden II

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Es kamen Freundschaften hinzu über die letzten dreieinhalb Jahre, auch enge. Die meisten würde ich allerdings eher Kameradschaften nennen; wir teilen ähnliche Schicksale, wir teilen die Sorgen und Ängste, wir helfen uns und wir spiegeln einander. Wir versichern und brauchen uns. Aber diese Sorge umeinander dreht sich um uns; um unsere Gemeinsamkeit. Wir sind community. Ich habe Freundschaften dann als besonders bereichernd empfunden, wenn die Menschen mir zwar ähnlich waren, aber andere Erfahrungen gemacht haben. […]

Vom Verschwinden I

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Auf der Straße sehe ich niemandem mehr ins Gesicht. Früher einmal war ich neugierig, offen, ich habe viel gelächelt. Eine Freundin meinte einst zu mir, es sei schön mit mir durch die Stadt zu gehen, weil ich dauernd vor mich hersummte. Sie wird mich tatsächlich gemocht haben, denke ich, wenn sie eine derart nervtötende Angewohnheit fröhlich stimmte. Auch der Kontakt riss ab irgendwann: ich war zu sorglos. Inzwischen reißen die Kontakte ab, weil ich zu […]

Sieht man doch

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ilse

Ein Bild in einer Selbsthilfegruppe für Angehörige, eine alte Frau sitzt an einem Tisch, sie schläft, ihr Kopf ist vornübergebeugt, der Mund halb offen. Durch das Fenster scheint die Morgensonne. Was kann man da tun, fragt die Tochter, ich weiß nicht mehr was ich tun soll, ständig schläft sie so ein und will sich nicht hinlegen. Hast Du, fragt eine, sie denn schonmal gefragt, was sie will, ja, antwortet die Tochter, sie will so sitzen, […]

Der Frühstücksbrei

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ilse

(In ihrem Zimmer) Siehst du, ich zittere. Wenn das so ist, dann ist es immer ganz schlimm. Ich habe auch noch nichts gegessen heute morgen, wieviel Uhr ist denn? Ach, acht Uhr, schon so spät? Ich muss mich mal ein bisschen hinlegen. Wenn das so ist mit dem Zittern, kann ich auch nichts essen. So schlimm war es noch nie, nicht einmal früher, weißt Du. (Fünf Minuten später, in meinem Zimmer) Kannst Du mal kommen? […]

Fertig

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ilse

Ein Arztbesuch mit Ilse bedeutet mindestens 48 Stunden Nettoarbeitszeit, verteilt auf fünf Wochen. Das heißt, wenn es gut geht. Wenn es schief geht, auch gern das dreifache.Zuerst einmal muss herausgefunden werden, was eigentlich fehlt. Ist es der Weltschmerz oder ist es etwas konkretes, kann das Unwohlsein irgendwie eingegrenzt werden? Das gehört streng genommen gar nicht in die Arbeitszeit, das ist ein fortwährender Beobachtungs- und Bewertungsprozeß, weil irgendwas ist eh immer, und ich kann nur hoffen […]

Geschlagen werden

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ilse / pflege

Wie fühlst du dich jetzt, werde ich gefragt, aber das weiß ich nicht ehrlich gesagt. Ich weiß von Zorn, von Hilflosigkeit, von Schmerz. Vor allem aber weiß ich von Leere; es ist alles dumpf. Alles um mich herum, der Schrank, das Bett, die Zimmerpfanze, ist ein bisschen weniger da. Ich fühle mich gleichzeitig auch wohl, lebendig; auf eine gedämpfte Art euphorisch; das wird das Adrenalin sein. Aber zwischen mir und der Welt ist ein Graben, […]

(Brot)jobs und Literatur

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Mir hat immer Thomas Bernhards Antwort auf die Frage gefallen, was er mache. Bernhard sagte, ich zitiere aus dem Gedächtnis: „Was mich betrifft, so bin ich kein Schriftsteller. Ich bin jemand, der schreibt.“ Das ist natürlich in aller gespielten Bescheidenheit auch aufgeblasen. Eigentlich würde ich gern gar nicht darüber reden, aber weil ich oft (oder bisweilen) darüber reden muss, tue ich es eben doch. —Schriftsteller, Autor, Texter, Journalist; all diese Worte habe ich schon über […]